Dienstag, 12. Januar 2016

3: First-Class-Gründe für Zweifel: Unerfüllte Prophezeiungen

Stellen Sie sich vor, sie laden sich eine Wetter-App aufs Smartphone. In der Beschreibung steht: "Stets korrekte Prognosen - garantiert." Die Vorhersagen sind anfangs tatsächlich konstant ziemlich zutreffend, und Ihr Vertrauen zur App nimmt zu. Dann konsultieren Sie einmal während der Woche die App, und sie sagt Ihnen für Ihren Ausflug am Samstag Prachtwetter voraus. Als Sie am Samstag aufwachen, regnet es in Strömen.

Was passiert nun mit Ihrem Vertrauen auf die Kompetenz der App? Können Sie sich einen Menschen vorstellen, der nach diesem Ereignis weiterhin an die Unfehlbarkeit der App glaubt, weil die ja in der Beschreibung festgehalten ist? Es scheint unvorstellbar, dass sich jemand so verhalten würde - bis man bibeltreue Christen trifft.

Das Gebiet der unerfüllten Prophezeiungen ist eines, dessen Berücksichtigung auf enorm simple Weise die Göttlichkeit der Bibel mehr als ernsthaft in Frage stellt. In der Bibel werden zahlreiche Geschehnisse vorhergesagt, die nie eintrafen. Darüber wird in christlichen Kreisen nicht gesprochen. Ich lasse nun fünf starke Indizien sprechen.

Indiz 1: Jakobs abgeblasene Heimkehr
1. Mose 46, 2-4: "Und Gott sprach zu ihm des Nachts im Gesicht: Jakob, Jakob! (...) Ich will mit dir hinab nach Ägypten ziehen und will dich auch wieder heraufführen..."

1. Mose 49, 33: "Und da Jakob vollendet hatte die Gebote an seine Kinder, tat er seine Füße zusammen aufs Bett und verschied und ward versammelt zu seinem Volk."

Zum Zeitpunkt seines Todes ist Jakob noch immer in Ägypten.

Indiz 2: Die vergessene Reinigung des verheissenen Landes
2. Mose 33, 2: "...und ich will vor dir her senden einen Engel und ausstoßen die Kanaaniter, Amoriter, Hethiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter..."

Klasse, dachten sich da die Israeliten, man kommt ins verheissene Land und die ganzen doofen Einwohner sind schon weg! Aber dann geht's los mit den Enttäuschungen:

Josua 15, 63: "Die Jebusiter aber wohnten zu Jerusalem, und die Kinder Juda konnten sie nicht vertreiben; also blieben die Jebusiter mit den Kindern Juda zu Jerusalem bis auf diesen Tag."

Josua 16, 10: Und sie vertrieben die Kanaaniter nicht, die zu Geser wohnten; also blieben die Kanaaniter unter Ephraim bis auf diesen Tag und wurden zinsbar.

Richter 3, 1-3: "Dies sind die Heiden, die der HERR ließ bleiben (...) nämlich die fünf Fürsten der Philister und alle Kanaaniter und Sidonier und Heviter, die am Berg Libanon wohnten..."

Indiz 3: Die ausgebliebene Vernichtung von Tyrus
Hesekiel 26, 7-14: "Denn so spricht der HERR: Siehe, ich will über Tyrus kommen lassen Nebukadnezar, den König zu Babel (...) Der soll deine Töchter, so auf dem Felde liegen, mit dem Schwert erwürgen; aber wider dich wird er Bollwerke aufschlagen und einen Wall aufschütten und Schilde wider dich rüsten. Er wird mit Sturmböcken deine Mauern zerstoßen und deine Türme mit seinen Werkzeugen umreißen. 10 Der Staub von der Menge seiner Pferde wird dich bedecken; so werden auch deine Mauern erbeben vor dem Getümmel seiner Rosse, Räder und Reiter, wenn er zu deinen Toren einziehen wird, wie man pflegt in eine zerrissene Stadt einzuziehen. 11 Er wird mit den Füßen seiner Rosse alle deine Gassen zertreten. Dein Volk wird er mit dem Schwert erwürgen und deine starken Säulen zu Boden reißen. 12 Sie werden dein Gut rauben und deinen Handel plündern. Deine Mauern werden sie abbrechen und deine feinen Häuser umreißen und werden deine Steine, Holz und Staub ins Wasser werfen. (...) 14 Und ich will einen bloßen Fels aus dir machen und einen Ort, darauf man Fischgarne aufspannt, daß du nicht mehr gebaut wirst; denn ich bin der HERR, der solches redet, spricht der Herr."

Wie Paulus ist auch Hesekiel offenbar ein Scharlatan: Nebukadnezar belagerte die Stadt, ohne sie zu zerstören, bis sie nach einigen Jahren seine Herrschaft anerkannte. Ich habe mir den "blossen Fels" mal angeschaut, auf dem "nicht mehr gebaut" wurde:


Indiz 4: Das leere Ägypten, zu dem es nie kam
Hesekiel 29, 8-12: "Darum spricht Gott, der HERR, also: (...) Ägyptenland soll zur Wüste und Einöde werden; so sollen sie erfahren, daß ich der HERR bin. (...) und ich will Ägyptenland zur Wüstenei machen, zur dürren Einöde, von Migdol bis nach Syene, bis an die Grenze Äthiopiens. 11 Keines Menschen Fuß soll es durchwandern, auch keines Tieres Fuß soll es durchwandern, und es soll vierzig Jahre lang unbewohnt bleiben. 12 Und ich will Ägyptenland inmitten anderer verwüsteter Länder zur Wüste machen, und seine Städte sollen unter andern öden Städten vierzig Jahre lang öde liegen. Aber die Ägypter will ich unter die Heiden zerstreuen und in die Länder versprengen."

Nana, mein lieber Gott bzw. Hesekiel, da hast du uns aber wieder einen schönen Mumpitz erzählt. Alles nie passiert. Übrigens sagt er ein Kapitel später in Übereinstimmung mit dem Berufskollegen Jesaja voraus, der Nil werde austrocknen - auch davon wissen wir nichts.

Indiz 5: Das lange Warten auf Jesus
Markus 16, 27+28: "Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. 28 Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich."

Matthäus 10, 23: "Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt."

Hier oben sehen Sie zwei Stellen, in denen Jesus sagt, dass es bis zu seiner Rückkehr auf die Erde nicht lange dauern würde. Jesus hat seine angekündigten Deadlines überschritten und ist bis heute nie zurückgekommen. 

Fazit
Wenn Ihre Wetter-App trotz angeblicher Unfehlbarkeit eine falsche Prognose macht - und sei es nur ein einziges Mal -, dann wissen Sie, dass sie nicht unfehlbar ist und man ihr nicht alles glauben sollte. Die gezeigten Indizien behandeln biblische Prophezeiungen, die sich unbestreitbar nicht erfüllt haben, und dadurch erweist sich die Bibel erneut erschreckend klar als fehlbares Menschenwerk, was sie selbst bestätigt:

5. Mose 18,22: "Wenn der Prophet redet in dem Namen des HERRN, und es wird nichts daraus und es kommt nicht, das ist das Wort, das der HERR nicht geredet hat, darum scheue dich nicht vor ihm."

Es handelt sich übrigens nur um eine persönliche Auswahl von mir, es gibt noch zahllose weitere strittige Prophezeiungen und solche, die als Pseudo-Vorhersagen entlarvt wurden. Schon mal darüber nachgedacht, dass Jesus die alten Schriften ja bestens kannte und folglich genau wusste, welche Prophezeiungen er zu erfüllen hatte? Schon mal darüber nachgedacht, dass auch die Autoren der Evangelien über das alte Testament Bescheid gewusst haben dürften und folglich die Geschichten so schreiben konnten, dass sie zu den aus dem Kotext gerissenen Fragmenten passten? Schon mal darüber nachgedacht, dass sogar eine echte, akkurate, nachprüfbar erfüllte Prophezeiung in der Bibel nicht beweisen könnte, dass alle anderen Behauptungen der Bibel stimmen? Und was ist mit den Prophezeiungen im Koran? Was braucht es, um Sie zu überzeugen?

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