Mittwoch, 13. Januar 2016

4: Manifest des göttlichen Sexismus

Das Haupt-Tagesgeschäft des Scrutator: Die Bibel durchforsten und untersuchen. Sie ist ein gewaltiger Wälzer, der von zahlreichen Christen für unfehlbar und gut gehalten wird - doch das ist vor allem deshalb der Fall, weil eine grosse Anzahl von Passagen weit weniger Aufmerksamkeit geniesst, als sie sollte. Der Scrutator bringt diese Passagen ans Licht. Denn auch wenn man Christen kaum je "auf einen Schlag" überreden kann, so ist es dennoch möglich, mit guten, bibeltreuen Argumenten einen Denkprozess in Gang zu setzen und einen Samen des Zweifels zu säen, der irgendwann vielleicht zur Erkenntnis der Bibel als Menschenwerk führt.

Heute will ich von einem biblischen Thema schreiben, das mir immer und immer wieder begegnet, obwohl ich es bisher nur für eine Randerscheinung gehalten hatte: Gottes Sexismus.

Unter Christen habe ich dazu kaum je eine Debatte erlebt, die tiefer ging als diese:

-"Paulus schreibt, die Frauen müssen sich ihren Männern unterordnen... Was heisst das nur?"
-"Direkt danach steht aber, die Männer sollen ihre Frauen lieben, wie Christus die Gemeinde liebt."

Und da endet dann die "Diskussion". Doch das "Gegenargument" macht nichts wieder gut: Es ist möglich, jemanden als unmündig zu behandeln und zugleich zu lieben - etwa ein Kind oder ein Haustier -, das ändert nichts daran, dass man nichts zu sagen hat, weil man ist, was man ist. Und dass Gott Frauen als minderwertig und unmündig betrachtet, ist in seiner Geschichte mit dem Volk Israel tief verwurzelt. Es folgen die Indizien.

Beweiskategorie 1: Was männlich ist, ist mehr wert
3. Mose 4, 22-28: "Wenn aber ein Fürst sündigt (...) der soll zum Opfer bringen einen Ziegenbock ohne Fehl. (...) 27 Wenn aber eine Seele vom gemeinen Volk etwas versieht und sündigt, (...) die soll zum Opfer eine Ziege bringen ohne Fehl für die Sünde, die sie getan hat..."

3. Mose 27, 2-4: "Wenn jemand ein besonderes Gelübde tut, also daß du seinen Leib schätzen mußt, 3 so soll dies eine Schätzung sein: ein Mannsbild, zwanzig Jahre alt bis ins sechzigste Jahr, sollst du schätzen auf fünfzig Silberlinge nach dem Lot des Heiligtums, 4 ein Weibsbild auf dreißig Silberlinge (...)"

Hier ein erster Hinweis auf Gottes Wertesystem:
Was männlich ist, ist mehr wert. Und deshalb kann man sich bei Volkszählungen auch auf's Wesentliche konzentrieren:

4. Mose 3, 15: "Zähle die Kinder Levi nach ihren Vaterhäusern und Geschlechtern, alles, was männlich ist, einen Monat alt und darüber."

Beweiskategorie 2: Unreinheit und Entehrung durch Mädchen
3. Mose 12, 2-5: "Wenn ein Weib empfängt und gebiert ein Knäblein, so soll sie sieben Tage unrein sein, wie wenn sie ihre Krankheit leidet. (...) 4 Und sie soll daheimbleiben dreiunddreißig Tage im Blut ihrer Reinigung. (...) 5 Gebiert sie aber ein Mägdlein, so soll sie zwei Wochen unrein sein, wie wenn sie ihre Krankheit leidet, und soll sechsundsechzig Tage daheimbleiben in dem Blut ihrer Reinigung."

Sieben Tage Unreinheit bei männlichen Babys, das Doppelte bei Mädchen. Wenn die dann aufwachsen, müssen sie es zudem ertragen, dass während ihrer Periode alles unrein ist, was sie anfassen.

Haben Sie die Geschichte gehört, dass in der Türkei absichtlich weibliche Schützen postiert worden sein sollen, weil IS-Kämpfer sich davor fürchten, von einer Frau getötet zu werden? Nun, Christen sollten diese Angst bestens verstehen können:

Richter 9, 52-54: "Da kam Abimelech zum Turm und stritt dawider und nahte sich zur Tür des Turms, daß er ihn mit Feuer verbrannte. 53 Aber ein Weib warf einen Mühlstein Abimelech auf den Kopf und zerbrach ihm den Schädel. 54 Da rief Abimelech eilend dem Diener, der seine Waffen trug, und sprach zu ihm: Zieh dein Schwert aus und töte mich, daß man nicht von mir sage: Ein Weib hat ihn erwürgt. Da durchstach ihn sein Diener, und er starb."

Beweiskategorie 3: Jungfrau oder Hure
3. Mose 21, 10: "Eine Jungfrau soll er (der Priester) zum Weibe nehmen; 14 aber keine Witwe noch Verstoßene noch Geschwächte noch Hure, sondern eine Jungfrau seines Volks soll er zum Weibe nehmen, 15 auf daß er nicht seinen Samen entheilige unter seinem Volk (...)"

4. Mose 31, 17+18: "So erwürget nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Weiber, die Männer erkannt und beigelegen haben; 18 aber alle Kinder, die weiblich sind und nicht Männer erkannt haben, die laßt für euch leben."

5. Mose 22, 13-21: "Wenn jemand ein Weib nimmt und wird ihr gram, (...) und spricht: Das Weib habe ich genommen, und da ich mich zu ihr tat, fand ich sie nicht Jungfrau, 15 so sollen Vater und Mutter der Dirne sie nehmen und vor die Ältesten der Stadt in dem Tor hervorbringen der Dirne Jungfrauschaft. (...) Ist's aber Wahrheit, daß die Dirne nicht ist Jungfrau gefunden, 21 so soll man sie heraus vor die Tür ihres Vaters Hauses führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, darum daß sie eine Torheit in Israel begangen und in ihres Vaters Hause gehurt hat; und sollst das Böse von dir tun."

An diesen Stellen wird deutlich, warum sich Gott gegen Sex vor der Ehe ausspricht: Es liegt nicht daran, dass man sich zu stark binden könnte, an ungewollten Schwangerschaften oder Krankheitsübertragungen. Es geht ihm nicht einfach nur darum, dass man in der Phase als Freund und Freundin nicht miteinander schläft. Es geht ihm darum, dass die Frau, die man zur Partnerin wählt, symbolisch "rein" und "unbenutzt" ist.


Beweiskategorie 4: Rechtlose "Weibsbilder"
4. Mose 27, 8: "Und sage den Kindern Israel: Wenn jemand stirbt und hat nicht Söhne, so sollt ihr sein Erbe seiner Tochter zuwenden."

Eine Frau kann nur dann erben, wenn sie keine Brüder hat. Und wie viel ihr Wort gilt, wird von den Männer in ihrem Leben bestimmt:

4. Mose 30, 4-16: "Wenn ein Weib dem HERRN ein Gelübde tut und sich verbindet, solange sie in ihres Vaters Hause und ledig ist, 5 und ihr Gelübde (...) kommt vor ihren Vater, und er schweigt dazu, so gilt all ihr Gelübde (...) 6 Wo aber ihr Vater ihr wehrt des Tages, wenn er's hört, so gilt kein Gelübde (...) und der HERR wird ihr gnädig sein, weil ihr Vater ihr gewehrt hat. 7 Wird sie aber eines Mannes und hat ein Gelübde auf sich (...) 8 und der Mann hört es, und schweigt desselben Tages, wenn er's hört, so gilt ihr Gelübde (...) 9 Wo aber ihr Mann ihr wehrt des Tages, wenn er's hört, so ist ihr Gelübde los (...)

10 Das Gelübde einer Witwe und Verstoßenen, alles Verbündnis, das sie nimmt auf ihre Seele, das gilt auf ihr. 

11 Wenn eine in ihres Mannes Hause gelobt (...) 12 und ihr Mann hört es, und schweigt dazu und wehrt es nicht, so gilt all dasselbe Gelübde (...) 13 Macht's aber ihr Mann des Tages los, wenn er's hört, so gilt das nichts, was aus ihren Lippen gegangen ist (...) 14 Alle Gelübde und Eide, die verbinden den Leib zu kasteien, mag ihr Mann bekräftigen oder aufheben also: 15 wenn er dazu schweigt von einem Tag zum andern, so bekräftigt er alle ihre Gelübde (...) darum daß er geschwiegen (...) 16 wird er's aber aufheben, nachdem er's gehört hat, so soll er ihre Missetat tragen."

Ist eine Frau Gefangene aus einem feindlichen Volk (wie war das mit "Liebt eure Feinde?"), so entfallen weitere Rechte:

5. Mose 21, 10-14: "Wenn du in einen Streit ziehst wider deine Feinde, und der HERR, dein Gott, gibt sie dir in deine Hände, daß du ihre Gefangenen wegführst, 11 und siehst unter den Gefangenen ein schönes Weib und hast Lust zu ihr, daß du sie zum Weibe nehmest, 12 so führe sie in dein Haus und laß sie ihr Haar abscheren und ihre Nägel beschneiden 13 und die Kleider ablegen, darin sie gefangen ist, und laß sie sitzen in deinem Hause und beweinen einen Monat lang ihren Vater und ihre Mutter; darnach gehe zu ihr und nimm sie zur Ehe und laß sie dein Weib sein. 14 Wenn du aber nicht mehr Lust zu ihr hast, so sollst du sie gehen lassen..."

Ja, ganz nett, sie darf noch um all das heulen, was du ihr genommen hast, bevor du sie ohne Einwilligung (das war sowieso gang und gäbe, immer wieder kaufen biblische Männer ihre Frauen) zur Frau nimmst. Und wenn sie dich nervt, schmeiss sie einfach wieder raus. Die letzte Passage kann man ohne Kommentar stehen lassen:

5. Mose 23,22: "Wenn eine Dirne jemand verlobt ist, und ein Mann kriegt sie in der Stadt und schläft bei ihr, 24 so sollt ihr sie alle beide zu der Stadt Tor ausführen und sollt sie steinigen, daß sie sterben; die Dirne darum, daß sie nicht geschrien hat, da sie doch in der Stadt war; den Mann darum, daß er seines Nächsten Weib geschändet hat; und sollst das Böse von dir tun."

Fazit
Warum tun wir in Anbetracht dieser offensichtlichen Sichtweise Gottes noch überrascht, wenn später Paulus in guter biblischer Tradition solche Phrasen absondert:

1. Korinther 11, 3-9: "Ich lasse euch aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt; der Mann aber ist des Weibes Haupt (...)
7 Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, sintemal er ist Gottes Bild und Ehre; das Weib aber ist des Mannes Ehre. 8 Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib vom Manne. 9 Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen."

1. Timotheus 2, 12-15: "Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit. 12 Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei. 13 Denn Adam ist am ersten gemacht, darnach Eva. 14 Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt. 15 Sie wird aber selig werden durch Kinderzeugen (...)"

Ich habe hier ein Manifest des göttlichen Sexismus verfasst, das jede christliche Diskussionsgruppe zum Schweigen bringen sollte. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die allermeisten Diskussionsgruppen von den meisten zitierten Stellen noch nie gehört haben und vielleicht denken, wenn der Sexismus nur so vereinzelt von Paulus propagiert werde, könne man sich vielleicht mit Interpretationen anderer Bibelstellen daraus herausreden. Ist man aber ehrlich, so muss man zugeben, dass Benachteiligung und Herabwürdigung von Frauen in der Bibel tief verankert sind. Wie gut passt das mit Ihrer Vorstellung eines gerechten, liebenden Gottes zusammen?

-Ihr Scrutator

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-> Zum Manifest des göttlichen religiösen Intoleranz

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