Montag, 13. Juni 2016

36: Mein offener Brief an die Christenheit

Meine lieben Christinnen und Christen

Ich, ein Atheist und Religionskritiker, möchte euch mit ein paar Fragen konfrontieren. Ich möchte euch bitten, euch folgende wichtige Frage zu stellen:

Wenn ich Recht hätte, wenn euer heiliges Buch in Wahrheit nicht so heilig wäre und es tatsächlich keinerlei Gründe gäbe, an die Existenz eures Gottes zu glauben - wärt ihr in der Lage, das zu erkennen? Und würdet ihr es überhaupt erkennen wollen

Ja, was wäre, wenn mein "freier" Wille in Wahrheit gar nicht von Satan korrumpiert worden wäre und er mich nicht als Marionette im Kampf gegen Gott missbrauchen würde?

Was wäre, wenn eure Gebete eigentlich nur bis zur Zimmerdecke gingen - wärt ihr in der Lage, das zu erkennen?

Wenn es für "Wunder" immer eine natürliche Erklärung gäbe - würdet ihr das sehen? Würdet ihr es sehen wollen?

Wenn euer Gott einmal etwas täte, das unumstritten böse ist - könntet ihr es als böse einstufen? Was müsste ein böser Gott tun, um euch seine Bosheit unter Beweis stellen zu können?

Wenn bewiesen wäre, dass es euren Gott nicht gibt - würdet ihr dann zu unmoralischen Monstern? Wenn nein, warum nicht?

Wenn es euren Gott in Wahrheit nicht gäbe, könnte man das beweisen? Wenn ja, wie? Wenn nein - würdet ihr dann herausfinden, dass er in Wahrheit nicht existiert? Was wären die Hinweise darauf?

Warum ich euch diese Fragen stelle? Ganz einfach: Zahllose Menschen auf unserem Planeten sind religiös. Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen wurde von ihren Eltern religiös erzogen. Wir haben viele verschiedene Gruppierungen, die sich auf angeblich heilige Schriften stützen. Gruppierungen, die davon erzählen, dass sie ihre Gottheiten in ihrem Alltag erleben, die uns berichten von erfüllten Prophezeiungen, von Wundern und Visionen. Gruppierungen, die uns auffordern, uns auf die Suche nach ihren Gottheiten zu machen, damit auch wir die Wahrheit erkennen können. Was schliessen wir aus dieser Faktenlage? Das Fazit ist eindeutig: Es kann höchstens eine Religion wahr sein, und folglich sind sehr, sehr viele Menschen einem Schwindel aufgesessen. Sie befolgen Texte, die ohne göttliche Eingriffe von Menschen verfasst wurden. Sie erleben Götter, die es gar nicht gibt. 


Wie sollte man nun vorgehen, um zu bestimmen, wessen Religionen unglaubwürdig sind? Das ist eigentlich gar nicht so schwer. Fragt euch nur einmal, liebe Christinnen und Christen, wie ihr andere Religionen einschätzt. Wie seid ihr etwa zu eurer Einschätzung gelangt, dass der Islam nicht die wahre Religion und Allah nur eine Einbildung ist? Ich möchte dazu Folgendes zu Bedenken geben:

-Muslime haben wie ihr den Glauben, sie halten für wahr, was sie nicht sehen können und sagen, man müsse sich halt erstmal auf ihn einlassen.
-Muslime sind überzeugt davon, dass der Koran göttlichen Ursprungs ist und führen dazu dessen angebliche Historizität und moralische Brillanz ins Feld.
-Muslime berichten von Wundern und erfüllten Prophezeiungen bezeugen Allahs Wirken in ihrem Leben.
-Es lässt sich nicht beweisen, dass es Allah nicht gibt. Steht ja im altehrwürdigen Koran, dass es ihn gibt. Und Millionen von Menschen glauben an ihn.
Sollen all diese Menschen allen Ernstes an Wahnvorstellungen leiden?

Ich nehme an, diese Punkte lassen euch kalt, liebe Christinnen und Christen. Weshalb? Nun: Der Glaube der Muslime ist blind, und so können sie gar nicht erkennen, ob sie sich etwas vormachen oder nicht - er ist nicht von Naivität zu unterscheiden. Es ist erwiesen, dass der Koran historisch und naturwissenschaftlich nicht verlässlich ist und unmoralische Regeln verkündet - was Muslime aber geflissentlich ignorieren oder sogar schönreden, während sie zugleich auf die wenigen Teile pochen, die moralisch einwandfrei und historisch plausibel sind. Sie informieren sich wenig oder nie darüber, weil sie Kritik für das Werk Satans halten, und wenn sie sich informieren, dann holen sie ihre Infos dummerweise bei anderen Muslimen. Es hat noch nie ein muslimisches Wunder gegeben, für das es keine natürliche Erklärung gibt, geschweige denn eines, das eindeutig von Allah getan wurde.

Alle Dinge, die Muslime als Taten Allahs in ihrem Leben ansehen, sind lediglich natürliche Ereignisse und Zufälle, die die Gläubigen aus dem Bauch heraus als Taten Allahs interpretieren. Und dass man Allahs Existenz nicht widerlegen kann und er in einem sehr alten Buch vorkommt, ist bedeutungslos - wenn man an alles glauben würde, dessen Existenz sich nicht widerlegen lässt, so hätte man schliesslich so viele Glaubensüberzeugungen, dass man komplett die Übersicht verlieren würde, stimmt's? Und selbstverständlich hat auch die Anzahl der Muslime nichts mit dem Wahrheitsgehalt der islamischen Glaubensdoktrin zu tun. Zusammenfassend können wir also sagen: Der Islam ist nicht ernst zu nehmen, weil er übernatürliche Behauptungen aufstellt, ohne echte Belege dafür zu liefern. Es gibt keine Gründe, an die Existenz Allahs zu glauben.


So, den Islam können wir also abhaken. Wenden wir uns nun der anderen unter Homo "sapiens" ausserordentlich dominanten Religion zu: Dem Christentum, eurem Glauben. Welche Argumente für euren Glauben würdet ihr vorlegen? Würdet ihr mir sagen...

...dass euer Glaube nun mal per Definition (Hebräer 11,1) blind ist und man sich halt erstmal auf ihn einlassen muss?
...dass die Bibel göttlich inspiriert, historisch total verlässlich und eine erstklassige Quelle von Moral ist?
...dass euer Gott grosse Wunder getan und erfüllte Prophezeiungen gemacht hat und er auch heute noch in eurem Alltag wirkt?
...dass euer Glaube gerechtfertigt ist, weil die Bibel ja Gottes Existenz bezeugt und es sich nicht beweisen lässt, dass euer Gott nicht existiert, und dass all die Millionen von Christen ja nicht alle an Wahnvorstellungen leiden können?

Nanu? Sind das nicht genau dieselben Argumente, die die Muslime verwenden und denen ihr gerade eben ohne Umschweife die kalte Schulter gezeigt habt? Wir hatten doch eben festgehalten:

-Blinder Glaube an Übernatürliches ist von Naivität nicht zu unterscheiden und kann einem nicht
  verraten, ob die geglaubte Behauptung wahr oder kompletter Schwachsinn ist, deswegen sollte man
  sich damit bei der Gottesfrage keinesfalls zufrieden geben.
-Man sollte sich bei Historikern, Naturwissenschaftlern und Religionskritikern erkunden, ob die
  eigene heilige Schrift kritischer Untersuchung standhält. Es könnte sein, dass man wegen
  emotionaler Bindung und der religiösen Erziehung zu blind ist, um die Fehler der eigenen Schrift
  erkennen zu können.
-An Wunder und andere göttliche Interventionen im Alltag von Menschen sollte man erst glauben,
  wenn der göttliche Eingriff wissenschaftlich erwiesen ist. In der Regel gibt es nämlich eine
  natürliche Erklärung, und selbst wenn es keine solche geben sollte, ist ja die Ursache des
  Ereignisses unbekannt und kann nicht willkürlich irgendeiner angeblich existierenden höheren
  Macht zugeschrieben werden.
-Weder die Tatsache, dass sich die Nichtexistenz von Gottheiten, Einhörnern, Kobolden etc. nicht
  beweisen lässt, noch dass diese in sehr alten Büchern erwähnt und von zahlreichen Menschen
  für real gehalten werden ist ein Grund dafür, an diese zu glauben. Positive Behauptungen wie
  diejenigen der Religionen (Wir glauben an einen Gott) verlangen positive Beweise, negierende
  Aussagen wie diejenige des Atheismus (Wir glauben nicht an Gott) verlangen keine Beweise, sondern
  sind dadurch gerechtfertigt, dass die Seite der positiv Behauptenden ihrer Beweislast nicht
  gerecht geworden ist.

Es stellt sich heraus, liebe Christinnen und Christen: Wenn eure Argumente von Muslimen verwendet werden, lehnt ihr sie ohne Umschweife ab. Ihr findet, jeder, der an eine andere Religion glaubt, sollte sich etwas informieren, seinen Glauben wie ein Aussenstehender betrachten, Kritik lesen, nicht so naiv sein und sich bewusst machen, dass er oder sie aufgrund von Erziehung und emotionaler Bindung zu blind sein könnte, um zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen. Ihr habt die zuverlässige, rationale Regel des Skeptizismus verstanden: Wird eine übernatürliche Behauptung aufgestellt, ohne dass diese belegt wird, so ist es irrational, der Behauptung Glauben zu schenken. Ihr habt diese Regel verstanden und wendet sie sehr konsistent auf die übernatürlichen Behauptungen sämtlicher Religionen an - mit einer einzigen Ausnahme.

Ich möchte euch nur um eines bitten: Hört mit der Spezialbehandlung für den christlichen Glauben auf und betrachtet ihn rational-skeptisch, wie jede andere Religion. Denn wenn ihr in Wahrheit zu den zahllosen Menschen gehört, die einem Schwindel aufgesessen sind, dann könnt ihr das von eurem jetzigen Standpunkt aus unmöglich erkennen. Ich glaube, dass ihr die Welt möglichst so sehen wollt, wie sie tatsächlich ist. Und wenn es keine Gründe gibt, an die Existenz eures Gottes zu glauben, dann ist die skeptische Betrachtungsweise der einzige Weg, dieser Tatsache auf die Spur zu kommen. Wenn ihr ohne Gründe glaubt, werdet ihr zu Leuten, die so tun, als wüssten sie, was sie nicht wissen. Traut euch und werdet zu Leuten, die ohne Vorurteile nach Wahrheit suchen und sich trauen, sich ganz rational Kritik von Aussenstehenden anzuhören.

Es grüsst

Euer Scrutator

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