Montag, 22. August 2016

41: Blick zurück - Meine Geschichte in Kurzform

Ich bin als Christ aufgewachsen und das 23 Jahre lang geblieben. Da stellt sich vielleicht bei den einen oder anderen die Frage: Wie war das eigentlich so? Nun...

Ich wurde 1992 in der schönen Schweiz geboren - durchschnittlicher Junge, schüchtern, sportlich, sprachbegabt, Mathekatastrophe. Meine Eltern waren evangelisch-reformierte Christen. Die christlich geprägte Erziehung wirkte sich auf uns drei Kinder sehr unterschiedlich aus: Meine grosse Schwester übernahm den Glauben, der sich aber immer mehr abschwächte und von dem mittlerweile kaum mehr als "Spiritualität" übrig ist. Mein kleiner Bruder machte den Zirkus mit, blieb aber unberührt. Sein Kommentar zu den Bibelgeschichten, die meine Mutter sonntags vorlas: "Das sind doch alles bloss irgendwelche Geschichten." (Ich beneide ihn bis heute um seinen schon früh entwickelten Sinn für kritisches Denken in dieser Hinsicht). Ich selbst glaubte lange kindlich an Gott und Jesus, ohne wirklich "ernst zu machen", doch das änderte sich zunehmend. Mein Interesse am Glauben und an der Bibel nahm über die Jahre zu, und durch meine musikalischen Begabungen begann ich, als Schlagzeuger und später auch Gitarrist mehr Zeit in der Kirche zu verbringen. Und dann kam das schicksalhafte Jahr 2007: Mein Vater, der psychisch nicht in guter Verfassung war, nahm sich das Leben.

In der Zeit der Trauer um meinen Vater entdeckte ich das Buch "Das Skript" von John Eldredge und war fasziniert. Die Art, wie Eldredge das Christentum beschrieb, "berührte mein Herz". Wie sagte doch Volker Dittmar: "Man wird meist durch Schwäche zum Gläubigen, entweder in der Kindheit oder in Lebenskrisen." Jetzt hatte das Christentum in meiner Kindheit und in einer Lebenskrise hinreichend die Chance gekriegt, mich für sich zu gewinnen, das musste ja fast klappen - und das tat es. Mit der enorm romantisierten Perspektive auf den Glauben von Eldredge begann ich, mich weiter kirchlich zu engagieren, liess mich taufen, beteiligte mich vermehrt an der Jugendarbeit und am Jugendgottesdienst, traf mich an Wochenenden mit Gleichaltrigen zu Bibellektüre und Austausch und sann Tag und Nacht über das Wort des Herrn nach - ohne das Ganze zu lesen, das war mir dann doch zu blöd, und das machte ja eh keiner. Die zentrale Botschaft war ja wichtig, und die kannte ich ja hinreichend!

So lebte ich vor mich hin, glücklich und voller Vorfreude auf das Paradies. Das jetzige Leben war nur die Hauptprobe! Es war spannend, theologische Debatten zu führen, Theorien zu entwickeln, Jesu Absichten zu diskutieren, und die Hoffnung und das vermeintlich so stabile Fundament für moralisches Handeln schienen mich zu stärken. Wir Christen waren so arrogant, zu glauben, wir müssten in die Welt hinaus gehen und all den ungläubigen Menschen beibringen, wie man seinen Nächsten liebt (was dann aber die meisten nicht wirklich taten). "Reloveution". Ignoranz pur. Aber es fühlte sich gut an und machte uns zu einer verschworenen Gemeinschaft.

Nur ganz, ganz selten gab es diese Momente. Diese kurzen Momente, in denen "verbotene Gedanken" sich Gehör verschafften. Wo war denn eigentlich dieser Gott? Was war die Quelle meiner Freude? Waren es nicht vielmehr meine Mitmenschen als irgendetwas Übernatürliches? War ich wirklich besser dran als Ungläubige? Ich musste ja genauso mit dem anscheinend willkürlichen Mist klarkommen, den mir das Leben in den Weg stellte! Was tat ich, wenn solche Gedanken aufkamen? Ich schüttelte heftig meinen Kopf. Stark bleiben. Glauben, nicht zweifeln. Das war nur der Satan, der "herumgeht wie ein brüllender Löwe und schaut, wen er verschlingen kann." Du gewinnst niemals, Satan! Ich werde dich niederringen wie Jesus in der Wüste!

So verging die Zeit weiter, und ich "wuchs im Glauben". Nach meinem abgebrochenen ersten Studium trat ich 2012 ein Praktikum als Jugendarbeiter in meiner Kirchgemeinde an, wo ich Events organisierte und koordinierte und den Pfarrer beim Konfirmandenunterricht unterstützte - und dann eines Tages spontan für einen Prediger einsprang. Ich schlug die Bibel irgendwo auf (wie so oft "zufälligerweise" beim neuen Testament) und stiess auf Johannes 12, 25. Die Passage inspirierte mich so sehr, dass ich glaubte, beim Schreiben den heiligen Geist zu erleben. Die Predigt kam so gut an, dass ich fortan als einziger nicht theologisch ausgebildeter Prediger im Predigerpool figurierte. Ich realisierte natürlich nicht, dass dies der Anfang vom Ende für meinen Glauben war.

Zu den seltenen Momenten des Zweifels gesellten sich zunehmend Momente des Unwohlseins. Immer wieder gab es Predigten, speziell in anderen Gemeinden, die ich immer wieder mal besuchte, da bei uns nicht so viel los war, in denen der Prediger die Besucher "herausfordern" wollte. Das bedeutete in der Regel, dass er auf Bibelstellen hinwies, die niemand wirklich beachtete. So wurden wir an Gottes Erwartungen und Gebote erinnert. Ohne Werke ist der Glaube tot. Mission ist wichtig, und jeder kann und sollte sich engagieren. Gott muss das Wichtigste in deinem Leben sein. Es werden nicht alle, die zu Jesus sagen "Herr, Herr" in das Himmelreich kommen... Das sorgte für Druck und Schuldgefühle, weil kaum jemand selbst missionierte, niemand immer "Jesus an die erste Stelle stellte", niemand ein einwandfreier Vorzeigechrist war.

Ganz krass war das "Praisecamp" am Ende des Jahres 2012 mit vielen hochmotivierten, charismatischen Christen und herausfordernden Inputs en masse. Höhepunkt war eine Demonstration zum Thema Hölle, bei der wir in eine dunkle Turnhalle geführt und uns über ein Tonband Geräusche von rasselnden Ketten und weinenden und schreienden Menschen vorgespielt wurden. Dazu kamen effektreiche Inputs und Demonstrationen zu Christenverfolgung, Endzeit und einigem mehr. Am Ende dieses Abends war Silvester, aber statt mit einem Glas Sekt draussen zu stehen und fröhlich dem Feuerwerk zuzusehen, sass ich aufgelöst, schockiert und verzweifelt am Boden, an eine Wand gelehnt, und starrte ins Nichts. Diese geballte Grausamkeit hatte ich nie wirklich ernstgenommen. Sie passte einfach nicht in meinen Glauben hinein, aber ich konnte sie nicht leugnen. Fragen Sie mich nicht, wie ich es wieder schaffte, all das einfach schönzureden und zu ignorieren. Ich habe keine Ahnung.

Da war auch noch ein altes Schreckgespenst. Ich hatte einst von einem Teil des Endzeitszenarios der Offenbarung erfahren; das "Tier", der Antichrist, könnte bald kommen und eine Diktatur aufrichten, unter der mein Glaube verboten sein würde. Ich verbrachte einige schlaflose Nächte mit Schweissausbrüchen deswegen, und immer wieder holte mich die Angst ein, noch bis ins Jahr 2014. Warum wollte mich Gott durch so eine Prüfung schicken, meine grössten Ängste wahr werden lassen, und mich bei Nichtbestehen nicht in den Himmel lassen? Die vielen Gespräche mit anderen Gläubigen über diese Themen halfen nur kurzfristig - egal ob vom besten Freund, von der Mutter oder vom Pfarrer, die Erklärungen waren intellektuell extrem dürftig und unbefriedigend. So begann die schöne Fassade meines Glaubens langsam zu bröckeln.

Weitere grosse Risse im Fundament folgten durch meine Tätigkeit als Prediger. Endlich begann ich, mich in die Bibel zu vertiefen, und was ich da fand, stellte mich vor grosse Probleme. Wo war der "Liebesbrief Gottes" abgeblieben, den ich zu kennen glaubte? Paulus schrieb wie ein Arsch und stellte sein dämliches Schwarz-Weiss-Denken stolz zur Schau! Bei Jesus gab es auch vieles zu kritisieren - was sollte etwa die Aussage, dass Gott auf Menschen noch besser aufpasse als auf Vögel (Sperlinge), und selbst von denen "falle keiner auf die Erde ohne euren Vater"? Was war mit Gottes Plan? Auch in anderen Predigten fielen mir zunehmend Schwierigkeiten auf. Wir hatten eine Predigtreihe über den 1. Korintherbrief, und besonders die Teile zu den sexistischen Stellen waren übel. Da sollten Paare davon erzählen, wie sie die Unterordnung der Frau unter den Mann umsetzten, und eins war klar, auch wenn es niemand aussprach: Sie setzten das nicht um. Es war frauenverachtend und bescheuert.

Dann die Sache, dass Frauen nur mit bedecktem Kopf beten dürften: Der Prediger meinte einfach, er und seine Frau hätten das ausprobiert, es nicht als gewinnbringend empfunden und wieder damit aufgehört. So leicht liess sich also dem Wort Gottes die Autorität entziehen? Das ging doch nicht! Unser Kirchenvorstand hatte doch Recht, als er Frauen verbot, die Gottesdienstleitung zu übernehmen, das war biblisch! Aber ganz ehrlich, es war auch sexistischer Mist. Wenn das stimmte, was in diesem Buch stand, dann... Ja, was dann? Konnte es überhaupt stimmen? Ja, klar konnte es das, ich war nur zu begrenzt, um es zu begreifen... Das Böse in der Welt gab es nur wegen des Sündenfalls, da waren wir selbst dran schuld... Gott ist viel weiser als wir, das ist alles moralisch perfekt... Wegsehen, weiterblättern...

In solchen Momenten schaltet sich - meist unbewusst - der emotionale/soziale Druck in Gläubigen ein. Die Angst vor einem endgültigen Tod, die Kraft der kindlichen Indoktrination, die Panik davor, das Fundament des eigenen Lebens und der Beziehungen zu Freunden und zur Familie zu verlieren - all das hat eine gewaltige Kraft, und so kann es gelingen, über die schlimmsten Gräuel und die unlogischsten Fehler in der Bibel und im eigenen Glaubenskonzept wegzusehen. Doch ich war in einer speziellen Lage: Ich hatte mittlerweile Hochschulerfahrung und mehr über Wissenschaft und kritisches Denken gelernt, meine Ignoranz hatte abgenommen. Ich hatte einige ungläubige Freunde und Verwandte. Meine Familie war aufgesplittert, ich wohnte seit einiger Zeit nicht mehr zuhause unter den Fittichen meiner tief gläubigen Mutter. Und als Prediger musste ich mich nun immer wieder schwierigen Passagen stellen, musste sie deuten und vor der Gemeinde meine Gedanken dazu äussern - weiterblättern und ignorieren ging nicht mehr.

Die Deckung des Glaubens war unten, und im September 2014 kam der erste Tiefschlag der Realität: Ich wurde angefragt, ob ich eine Predigt zum Thema "Begegnung mit Gott" halten wolle. Ich sagte zu, setzte mich hin, wollte mit dem Schreiben anfangen - und erstarrte. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war: Hatte Gott mich je kontaktiert? Ja, klar! Aber eindeutig..? Nein... Ich konnte es eigentlich gar nicht wissen. Warum behandelte er mich so? Was sollte das? Ein Versteckspiel - war das ein liebender Vater? Ich mogelte mich irgendwie durch die Predigt durch, indem ich mich selbst belog, und danach hatte der Zweifel endgültig einen Vorposten in mir erobert. Die Zweifel häuften sich, und die "Gottes Wege sind nicht unsere Wege"-Entschuldigung befriedigte mich immer weniger und weniger. Überall tauchten Fragen auf. Bei den Gruppengebeten vor Gottesdiensten oder nach Bibelgruppentreffen kam ich mir jedes Mal blöder vor. Ist ja super lieb gemeint, aber glauben wir allen Ernstes, wir müssten Gott erst dazu auffordern, den Leuten in Syrien zu helfen? Was ist mit seinem Plan, der ist doch gut, warum sollten wir unseren Senf dazu geben? Und für manche Dinge beteten wir mittlerweile schon jahrelang ohne Erfolg - es konnte doch gut sein, dass es überhaupt nichts bewirkte..?

Zu Beginn des Jahres 2015 war ich schliesslich so weit, dass ich meinen Laptop aufklappte, Google öffnete und nach einmal tief Durchatmen das Wort "Atheism" eintippte. Ich las und las, ging weiter auf youtube, wo ich dasselbe Stichwort eingab, und setzte meine virtuelle Safari fort... Meine ersten Stationen waren godisimaginary.com und die Videos des Friendly Atheist Hemant Mehta im youtube-Kanal "The Atheist Voice". Die ganze Wucht der Vernunft und Logik brach über die Reste meines Glaubens herein wie ein Tsunami über eine ärmliche Pfahlbautensiedlung. Es war eine wilde Mischung von Gefühlen, die ich dabei empfand: Erleichterung, Angst, Überraschung, Aha-Momente, Verunsicherung... Ein paar Wochen vergingen, bis ich irgendwann merkte: Mein Glaube war weg. Ich war in einem Jugendgottesdienst unserer Gemeinde zu Gast, und da waren zwei Typen, die sich als Heilbegabte ausgaben und dann versuchten, das Knie eines unserer Leute zu heilen. Sie versagten. Meine Freundin, die um meine Zweifel wusste, bat mich, doch von den beiden Typen für mich beten zu lassen. Da wusste ich auf einen Schlag, dass mein Glaube Geschichte war. Was zur Hölle sollte das für ein Gott sein, der meine Gebete um Hilfe ignoriert, aber gern hinhört, wenn zwei "Supergläubige" darum bitten?! In der Folge beichtete ich meiner gläubigen Freundin, was mit meinem Glauben passiert war, und es geschah das Schlimmstmögliche: Sie sagte mir, dass sie sich eine Zukunft mit mir unter diesen Umständen nicht länger vorstellen könne. Panisch versprach ich ihr, mich einfach "für den Glauben zu entscheiden" und alles zu tun, um nicht abzufallen.

Ich kämpfte mich also wieder zurück in die Bibel, spielte weiter in den Gottesdiensten, hielt wieder Predigten - eine sogar über Atheismus, in der ich ein paar Lanzen für den Unglauben brach, aber mich auch ein paar der miesen Argumente für den Theismus bediente (ich verschicke sie auf Anfrage gerne) - und besuchte Gottesdienste und Vorträge. Ich las das Buch "Fragen, die immer wieder gestellt werden" von Werner Gitt - ein kontraproduktiver Schritt. Kreationist Gitt versucht darin unter anderem mit Bibelstellen wissenschaftliche Erkenntnisse zu entkräften und macht sich gegenüber jedem, der etwas über Wissenschaft weiss, einfach nur lächerlich. Verzweifelt warf ich das Buch weg. Ich wollte doch einfach nur meine Illusion zurück! Es war mir egal, ob sie der Wahrheit entsprach, ich wollte einfach nur, dass meine Welt heil blieb!

Doch alles trieb mich vom Glauben weg, auch die Art, wie ich als Zweifelnder behandelt wurde. Ich fühlte mich wie ein Aussätziger, ein Kranker, ein Besessener, der dringend geheilt werden musste. Meine Krankheiten: Konsequente Rationalität, vernünftiges kritisches Denken und menschliche Moralbedenken. Das vielleicht Übelste fand ich, dass mir meine Gleichaltrigen die Fragen nie selbst beantworten konnten und mich immer an "erfahrene" Gläubige verwiesen. Damit sagten sie mir also: "Ich weiss das auch nicht, aber ich weiss, wie man es ignoriert, das musst du auch wieder lernen." Bald sah ich mich wieder mit der Wahrheit konfrontiert: Glaube, das von-etwas-überzeugt-sein, ist keine Entscheidung. Ich brauchte gute Gründe, denn die alten Gründe (wie etwa Johannes 7, 16+17) waren durchschaut und entkräftet. Doch gute Gründe waren nirgends und bei niemandem zu finden. Ich boxte mich noch bis zum Anfang des Jahres 2016 irgendwie durch, doch dann konnte ich endgültig nicht mehr. Jetzt war definitiv etwas passiert, das ich nie und nimmer für möglich gehalten hätte: Ich war Atheist.

Hätte mich meine Freundin nicht verlassen, so wäre ich jetzt vielleicht so glücklich wie nie zuvor. Je mehr ich den Atheismus kennenlernte, desto mehr begann ich, mich damit zurechtzufinden. Ich schloss Freundschaft mit der Wissenschaft, die ich bis anhin immer schräg angeschaut hatte, wenn sie meinem Glauben in die Quere gekommen war. Ich kann diese Haltung in Religionsfragen bestens verstehen, brauche keinen Glauben, muss nichts Vorgekautes ausspucken, um Zweifel zu besänftigen, und bin Kapitän meines eigenen Schiffs. Die Gedanken sind frei, auch wenn das Herz wegen der zerbrochenen Beziehung noch immer schwer ist. Nein, ich war nicht wirklich glücklicher als Gläubiger. Gottes Präsenz und Liebe kann man sich zwar einreden, aber letzten Endes ist sie ganz einfach nicht da - Frank Sacco sagte es richtig: "Nur wenn wir lieben, lebt Gott." Das merkte ich bei mir und unter meinen Glaubensgeschwistern wieder und wieder, und Probleme wie die Angst vor dem Tod gehen auch durch Glauben nicht einfach weg.

Meinen toten Vater vermisse ich nicht plötzlich mehr, weil ich nicht mehr glaube, dass ich ihn wiedersehen werde - ich habe seinen Tod verarbeitet wie jeder andere. Ich bin meine Probleme rational und realitätsbasiert angegangen wie jeder andere, anders geht es ja auch gar nicht, egal, ob man glaubt oder nicht. Mein Glück kam aus der realen Welt. Ich habe Ballast und Illusionen abgeworfen, keine Wunderwerkzeuge, und es geht mir gut, auch wenn ich mich als Gläubiger speziell glücklich wähnte. Dieses Glück war illusorisch, nicht standhaft, und basierte vor allem auf Ignoranz. Sobald mir schwierige Aspekte meines Glaubens lebhaft vor Augen gehalten wurden, verschwand das Lächeln aus meinem Gesicht, und das sagt alles. Mein Fazit: Glaube ist intellektuelle Inkonsequenz, und er ist nicht die Superdroge ohne Nebenwirkungen, als die sie von vielen Leuten dargestellt wird, die sich gegen Religionskritik aussprechen. Ich bin ein sensibler Mensch, doch ich habe es bestens verkraftet, zu realisieren, dass die Bibel ein unbegründeter Behauptungskatalog ist, und ich traue das auch anderen Leuten zu.

- Ihr Scrutator


P.S. Meine Geschichte habe ich auch schon als Referat vorgetragen, siehe hier

Kommentare:

Tobias Korn hat gesagt…

Hallo Scrutator,
ich wollte dir sagen, dass mich deine persönliche Glaubensgeschichte (bzw. Unglaubensgeschichte) berührt hat. Ich bin 24 Jahre alt, habe auch studiert und liebe logisches Denken und Rationalität. Zur Zeit beschäftige ich mich ausführlich damit, ob man den Glauben intellektuell rechtfertigen kann und bin auch auf einigen Atheismus-Seiten unterwegs gewesen. Ich finde man muss sich das Recht nehmen sich kritisch mit seinem Glauben auseinander zu setzen und dabei ergebnisoffen zu sein - auch wenn das nicht immer leicht ist wenn man schon einen Glauben hat.
Ich kann gut verstehen, dass du im Glauben nur eine andere Art zu Denken siehst. Manchmal sehe ich es selbst so. Man bewertet das was einem zustößt anders, Gutes schreibt man gerne Gott zu, Schlechtes vielleicht gerne Satan ohne das man tatsächlich etwas gewonnen hätte. Die Rechtfertigung dafür welche Sichtweise richtig ist hängt für mich davon ab, ob die Bibel Recht hat oder nicht und ob die naturwissenschaftlichen Beweise eher für oder gegen die Existenz eines Gottes sprechen.
Ich finde es schade, dass du keine Argumente für den Glauben finden konntest. Ich finde es gibt genug davon. Ich möchte dir gerne einige Anregungen geben, bestimmte Punkte kritisch zu hinterfragen, sofern du es nicht schon getan haben solltest.

Was die Existenz Gottes anlangt kann ich dir folgendes empfehlen:
- Die Feinabstimmung des Universums:
ftp://bitimage.dyndns.org/german/PeterHaegele/Die_Moderne_Kosmologie_Und_Die_Feinabstimmung_Der_Naturkonstanten_Auf_Leben_Hin_20051112.pdf

- Der Ursprung des Lebens kritisch hinterfragt:
https://www.jw.org/de/publikationen/buecher/Der-Ursprung-des-Lebens-Fünf-Fragen-kritisch-beleuchtet/

Zur historischen und archäologischen Genauigkeit der Bibel fand ich z.B. folgende Literatur hilfreich:
http://clv.de/Buecher/Buecher-zur-Bibel/Die-Bibel-im-Test.html

Persönlich habe ich noch einige zusätzliche Gründe, warum ich fest davon überzeugt bin weshalb die Bibel von Gott sein muss. Ich habe auch ein eigenes Buch (ca. 100 Seiten) dazu geschrieben (besser gesagt: zusammengetragen) und würde es bei Interesse schicken.

Viele Grüße,
Tobias

R.D. hat gesagt…

Hi Tobias!

Danke für deinen Kommentar. Ich finde es lobenswert, dass du recherchierst und deinen Glauben zu rechtfertigen versuchst, das ist gut und wichtig! Besonders gut ist, dass du dich nicht davor scheust, auch entgegengesetzte Standpunkte anzuschauen. Ich empfehle dir auch meine Facebookseite mit weiterführenden Memes, Videos etc.

Im Laufe meiner Recherche sind mir die von dir genannten Argumente immer und immer wieder begegnet, und sie können nicht erreichen, was sie erreichen sollen. Argumente, die einen Schöpfer belegen sollen, könnten, wenn sie gültig wären, eben nur irgendeinen Ursprung belegen - damit ist noch nicht gesagt, wer oder was dieser Ursprung ist und ob er überhaupt in die Welt eingreift geschweige denn noch existiert. Und Spiderman und Transformers Teil 3 sind zum Beispiel historisch völlig korrekt - damit lassen sich die abgefahrenen Geschichten aber nicht belegen.

Ich kann dein Buch kommentieren; wenn du möchtest, kannst du es mir an dorigrap@students.zhaw.ch senden.

glg

Raphael alias Scrutator